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| | ==Verpflegung== | | ==Verpflegung== |
| | + | „Ohne Mampf kein Kampf.“ Dieser einfache Satz sagt mit wenigen Worten, dass eine ausreichende Versorgung der Helfer maßgeblich für den Einsatzerfolg ist. Helfer mit bester Ausbildung, modernstem Gerät und tollen Fahrzeugen haben keinen Wert mehr, wenn der Kraftstofftank leer ist. Genauso wird der taktische Einsatzwert einer Einheit, für die es seit 12 Stunden nichts „Ordentliches“ mehr zu essen und zu trinken gegeben hat, deutlich sinken. Aus diesem einfachen Grund gibt es im Stab ein eigenes Sachgebiet (S4 Versorgung) das sich um die Logistik und Versorgung kümmert. In Betreuungslagen kommt auf die Verpflegungseinheit zusätzlich noch die Versorgung der Betroffenen mit Getränken, Snacks und Mahlzeiten hinzu. |
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| | + | Es gibt verschiedene Szenarien, bei denen eine [[Verpflegungsgruppe]] in Aktion treten kann |
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| | + | * Sanitätsdienste wie die Kirmes oder Karneval bei denen die Helferverpflegung mit einem längeren Vorlauf geplant, beschafft und zubereitet werden kann. Hier sind auch länger dauernde Vorbereitungen und umfangreichere Gerichte denkbar. |
| | + | * Einsatzkräfteversorgung bei Feuerwehreinsätzen im Stadtgebiet. Bei Großbrandlagen sind große Teile der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr in einem Einsatz gebunden und müssen mit Getränken und Essen vor Ort versorgt werden. In diesem Szenario ist schnell eine Uhrzeitangemessene Versorgung für die Helfer notwendig. |
| | + | * Einsatzkräfte und Betroffenenversorgung bei Einsätzen nach dem BHKG – zum Beispiel bei einem Kampfmittelfund im Stadtgebiet mit anschließender Evakuierung und Betreuung der Betroffenen in einer Betreuungsstelle. Bei einer solchen Lage handelt es sich schnell um mehrere hundert Menschen, die mit Nahrung und Getränken versorgt werden müssen. |
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| | + | Je nach Situation werden andere Anforderungen an die Logistik gestellt, die Kernfragen sind immer |
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| | + | * Wie viele Personen müssen in welcher Zeit versorgt werden. |
| | + | * Welche Vorräte sind noch vorhanden und was muss noch beschafft werden? |
| | + | * Wo kann zubereitet oder gekocht werden? |
| | + | * Wo soll die Verpflegung ausgegeben werden? |
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| | + | Aus diesen Fragen ergibt sich der Personal- und Materialbedarf für die Versorgungseinheit. |
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| | + | Kein Einsatz gleicht dem anderen, aber im Grundsatz lassen sich Einsätze in 4 Stufen mit unterschiedlichem Umfang und Anforderung an die Versorgungseinheiten einteilen: |
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| | + | * Stufe A – wird von den Einsatzkräften vor Ort alleine bewältigt |
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| | + | Die Verpflegung besteht aus Kaltgetränken und Snacks, die von den Einsatzkräften mitgeführt werden. |
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| | + | * Stufe B – kann mit geringem Aufwand in der Unterkunft oder vor Ort hergestellt werden |
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| | + | Die Verpflegung besteht aus Kaltgetränken, Warmgetränken und kalten Snacks, die von einer Verpflegungsgruppe bereitgestellt und ausgeliefert werden. |
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| | + | * Stufe C – hier werden Fachpersonen (Verpflegungstrupps, Feldköche, …) oder Fachfirmen hinzugezogen |
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| | + | Die Verpflegung besteht aus Kalt- und Warmgetränken, Kalt- und Warmverpflegung, Obst und Snacks für zahlreiche Einsatzkräfte und Betroffene. In dieser Stufe sind ausreichende Kochgelegenheiten und eine entsprechende Vorratshaltung oder kurzfristige Beschaffung von Material erforderlich. |
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| | + | * Stufe D – für die Versorgung von vielen Hundert Einsatzkräften und Teilen der Bevölkerung erfordert Logistik und Technik von Großküchen. Eine Verpflegungsgruppe einer HiOrg ist in der Regel nach kurzer Zeit überfordert und die Logistik muss im großen Maßstab erweitert werden. Als Beispiel lässt sich der Sturm ELA 2014 anführen, hier haben das THW und die Hilfsorganisationen mit der Versorgung der mehreren Hundert Einsatzkräfte begonnen, nach wenigen Tagen stießen diese an die Grenzen, da keine Überörtliche Hilfe möglich war. In dieser Situation haben die Verpflegungseinheiten der Bundeswehr, die im Rahmen der Katastrophenhilfe in NRW unterwegs waren die Verpflegung übernommen. |
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| | + | ==== Verpflegungslogistik ==== |
| | + | In der Wirtschaft findet man folgende Definition für Logistik „Logistik ist die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten“. |
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| | + | Diese Definition kann leicht auf den Verpflegungseinsatz im Roten Kreuz übertragen werden |
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| | + | * Das richtige Gut – Wenn die Einsatzkräfte Hunger haben, dann reicht der Tee nicht aus |
| | + | * In der richtigen Menge – Wenn ich 100 Einsatzkräfte habe, dann reicht eine Dose Eintopf mit 18 Portionen nicht aus |
| | + | * Im richtigen Zustand – wenn der Eintopf verdorben, versalzen oder sonst ungenießbar ist, nutzt er genauso viel wie gar kein Eintopf |
| | + | * Am richtigen Ort – ausreichend viel und schmackhafter Eintopf 20km von der Einsatzstelle entfernt nutzt nichts, wenn keine Transportmöglichkeit besteht, oder vor Ort das Essen nicht ausgegeben werden kann |
| | + | * Zur richtigen Zeit – Das Essen muss dann an der Einsatzstelle sein, wenn die Kräfte Hunger haben. Kommt es zu früh wird viel verworfen, das später fehlt. Kommt es zu spät haben die Helfer Hunger und verlieren die Motivation und der Einsatzwert sinkt oder der Einsatz ist bereits beendet |
| | + | * Der richtige Empfänger – wenn erst die Reserve, die seit 1h im Bereitstellungsraum steht verpflegt wird, statt der Einsatzkräfte vor Ort, die seit 4h körperlich arbeiten ist das Essen ausgegeben bevor meine Probleme gelöst sind |
| | + | * Zu den richtigen (angemessenen) Kosten – es macht einen großen Unterschied ob eine Warmverpflegung pro Person 10€ vom Caterer oder 1-2€ aus der eigenen Küche kostet |
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| | + | Verpflegungshelfer und Feldköche |
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| | + | „Ohne Mampf kein Kampf“, aus den Worten ergibt sich die Wichtigkeit der Helfer im Verpflegungstrupp für den Einsatzwert der gesamten Einsatzeinheit. Diese Helfer sollen bestimmte Ausbildungen haben. Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) schreibt für Personen, die in Küchen und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung tätig werden Hygienebelehrung durch das Gesundheitsamt (Gesundheitszeugnis). |
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| | + | ==== Ausbildungen im Verpflegungsbereich ==== |
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| | + | ===== Die Modulausbildung „Küchentechniker“ ===== |
| | + | Die Küchentechniker lernt alle technischen Grundlagen für den Aufbau und Betrieb einer Feldküche. Zusätzliche werden die Helfer auch im Umgang mit Gas sowie der Wasserver- und -entsorgung unterwiesen. |
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| | + | ===== Den Verpflegungshelfer ===== |
| | + | Als Verpflegungshelfer unterstützt man in der Feldküche in allen Tätigkeiten der Zubereitung von Speisen bis zur Ausgabe an die Einsatzkräfte oder Betroffenen. |
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| | + | ===== Den Feldkoch ===== |
| | + | Als Feldkoch führt man die Feldküche und stellt die Lebensmittellogistik mit Rezepten und Mengenberechnungen und Lagerhaltung sicher. |
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| | + | Jeder Helfer kann sinnvoll unterstützen, auch wenn man nicht kochen möchte. Neben der Zubereitung der Speisen müssen Lebensmittel eingekauft, gelagert und dokumentiert werden, die fertigen Gerichte müssen an die Ausgabestellen verbracht und dort an die Einsatzkräfte oder Betroffenen ausgegeben werden. |
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| | + | Planung von Verpflegungseinsätzen |
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| | + | Die Verpflegungsaktionen im DRK Düsseldorf sind entweder geplant (für die Sanitätsdienste) hier können auch für mehrere Tage einfach unterschiedliche Gerichte vorgeplant und auch frisch zubereitet werden. Die andere Gruppe sind die Einsätze, hier muss schnell eine erste Versorgung der Personen mit Getränken und gegebenenfalls mit Warm- oder Kaltverpflegung sichergestellt werden. Für diese Einsätze hält der Kreisverband immer eine gewisse Menge an Nahrungsmitteln bereit – angefangen von Nudeln über Dosensuppen bis hin zu speziellen Trockenprodukten für den Katastropheneinsatz. In der jeweiligen Lage kann dann entsprechend der Uhrzeit auf Supermärkte oder Großmärkte zurückgegriffen werden und die Lagerware ergänzt werden. |
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| | + | Die verantwortlichen Feldköche und Logistiker müssen sich immer Gedanken über die möglichen Gerichte für den konkreten Einsatz machen. In der heutigen Zeit müssen sich die Kräfte nicht nur über die pauschale Versorgung mit Lebensmitteln machen, sondern auch über persönliche und religiöse Vorlieben oder Allergien und Unverträglichkeiten Gedanken machen. In der konkreten Planung geht es dann um bekannte Rezepte oder Fertigprodukte, die schnell in großen Mengen zur Verfügung stehen – es ist ein zeitlicher Planungsunterschied, ob ich Zuhause 3l Nudelwasser für die Familie oder 50l für die Versorgung einer Betreuungsstelle koche. |
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| | ==== Feldkoch ==== | | ==== Feldkoch ==== |